Tour de Fleece 2020: Die erste Bergetappe
Die Tour de Fleece hat schon Halbzeit und ich muss jetzt dringend mal meine Erfahrungen mit den verschiedenen Fasern zu Papier bringen. Mein Ziel war es ja bei jeder Etappe eine unterschiedliche Faser zu verarbeiten, um einerseits möglichst viele Materialien kennenzulernen und gleichzeitig meine Spinnkünste durch das tägliche Spinnen zu verbessern.
An manchen Tagen habe ich die Fasern auch direkt verzwirnt, an anderen habe ich einfach nur einfädig gesponnen. Das mache ich immer von meiner aktuellen Laune abhängig und wollte mich da während des Projektes nicht zu sehr einschränken.
Etappe 3 – 6
In den Etappen drei bis sechs der Tour de Fleece habe ich Süddeutsche Wolle, Eiderwolle, Corriedale und Coburger Fuchs versponnen und hier bei der Handhabung beim Spinnen keine riesengroßen Unterschiede erkennen können. Für mich als Anfänger fand ich alle vier Fasern gut geeignet und kam ziemlich gut mit ihnen zurecht.




Etappe 7
Auf die siebte Etappe der TDF habe ich mich schon vorher gefreut, da ich hier das erste mal eine Pflanzenfaser versponnen habe: Ramie.
Die war an sich viel weicher auch das Ergebnis gefiel mir richtig gut, aber beim Spinnen gleichzeitig auch etwas herausfordernder als meine vorherigen Wollfasern. Es spinnt sich etwas schwieriger, da mir die Fasern gerne mal aus der Hand gerutscht sind, weil sie einfach viel glatter sind.

Auf dem Bild oben seht ihr auch mal mein angelegtes Faserbuch. In dem halte ich nun immer die Originalfaser und Garnbeispiele fest. Zusätzlich markiere ich mir auch immer, ob ich die Verarbeitung der Faser einfach, mittel oder schwierig empfunden habe.
Etappe 8
Beim Verspinnen der Norwegischen Wolle am achten Tag der Tour de Fleece 2020 habe ich dann richtig gute Fortschritte bei meinen Spinnkünsten feststellen können. Ich glaube nicht, dass es an der Faser lag sondern einfach an der regelmäßigen Übung, die sich jetzt schon bemerkbar macht. Das gibt einem natürlich auch einen angenehmen Motivationsschub 😉
Insgesamt ist mein Garn viel gleichmäßiger geworden und ich konnte frühzeitiger erkennen, wann der Faden zu reißen droht und noch vorher eingreifen. Ich glaube auch, dass inzwischen meine Fuß-Hand-Koordination besser geworden ist

Etappe 9
Die erste Bergetappe steht an! An den Bergetappentagen stellt die liebe chantimanou uns immer eine Herausforderung und bei der ersten Bergetappe ging es um die Frage, welches Ende eines Kammzuges sich besser verspinnen lässt. Es gibt wohl verschiedene Ansichten dazu, ob Fasern sich besser von der Wurzel oder von der Spitze spinnen lassen. Ich hatte mir selbst vorher tatsächlich noch keine Gedanken dazu gemacht und war deshalb sehr gespannt auf diese Challenge.
Ich habe mir also ein paar Fasern aus meinem Stash geschnappt und einfach mal ein bisschen ausprobiert. Zuerst habe ich einen Strang süddeutsche weiße Wolle getestet. Einen großen Unterschied gab es hier nicht. Mir kam es aber tatsächlich ganz leicht so vor, dass es von der Spitze gesponnen etwas flüßiger lief. Aber der Unterschied war hier wirklich minimal und vielleicht auch reine Einbildung.
Als zweites habe ich mich an einem BFL & Nylon Mix ausgetobt, konnte hier aber beim besten Willen überhaupt keinen Unterschied zwischen den beiden Seiten ausmachen. Auch bei meiner grünen Merino konnte ich beim ersten Farbton keinen Unterschied feststellen. An einem zweiten Strang fand ich aber auch das Ende, was ich als Spitze identifiziert habe, wieder etwas leichter zu verarbeiten. Bei mir hing es also stark von der Faser ab, ob ein merklicher Unterschied da war, oder nicht.

Was ich mir aus dieser Bergetappen-Challenge der Tour de Fleece mitnehme, ist der Vorsatz bei einer neuen Faser zukünftig anfangs einfach beide Seiten einmal auszuprobieren und wenn ich einen Unterschied feststelle, einfach mit der „besseren“ Seite zu spinnen. Das ist für mich als Anfänger echt ein guter Tipp und wird mir glaube ich einiges an grauen Haaren ersparen.